Warum die Frage nach dem Warum falsch ist

Wer akzeptiert, dass es gute Gründe für einen Krieg geben kann, der akzeptiert auch, dass Kriege aus schlechten Gründen geführt werden. Wir sehen das in der Ukraine ganz deutlich. Die guten Gründe der russischen Seite werden weder von den Ukrainern, noch von einem großen Teil der Welt geteilt.

Der Krieg wird nichts daran ändern.

Gewalttätige Auseinandersetzungen führen ganz im Gegenteil dazu, dass sich die beteiligten Parteien mit jeder Grausamkeit des Krieges, mit jedem ermordeten Angehörigen oder Freund von jeder Art eines möglichen Interessenausgleichs entfernen. Der Wunsch nach absoluter und gnadenloser Vernichtung des Feindes ist die logische Konsequenz.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an die Streitereien meiner Kindheit mit meinen Geschwistern. Früher oder später kam der Punkt, an dem es nicht mehr um den eigentlich Auslöser einer Meinungsverschiedenheit oder einer gefühlten Ungerechtigkeit gegangen ist. Früher oder später haben sich solche Streitereien aus den seichten Gewässern eines konkreten Anlasses immer in die Untiefen vergangener Erlebnisse verschoben und dabei an Kraft und Intensität gewonnen. Jede vergangene echte oder eingebildete Kränkung wurde zum willkommenen Verbündeten im Kampf gegen den Gegner, der gar keine Chance mehr bekommen sollte, auch nur ansatzweise Recht zu haben. Aus dem Wunsch Recht zu bekommen, wird der Wunsch, den anderen unwiderruflich in seine Schranken zu verweisen, um damit die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Wenn Kinder so denken, dann ist das wohl unausweichlich und gehört zur Entdeckung der Welt.

Wenn es gut geht, lernen wir auf diese Weise, dass es nicht nur die eine Welt im eigenen Kopf gibt, sondern auch die Welten, wie sie von den Brüdern oder der Schwester gesehen wird. Wir erkennen, dass diese verschiedenen Welten nicht aus Feindseligkeit oder bösem Willen geschaffen werden, sondern weil wir alle Individuen sind, die ab ihrer Geburt jeden Tag ihren eigenen Universen aufbauen.

Wenn es schlecht geht, dann lernen wir auf diese Weise nur, dass wir uns unser Recht mit Gewalt ( in Worten oder Taten ) erkämpfen können, oder vielleicht sogar müssen. Dann lernen wir, dass wir mit Unverschämtheit und Ignoranz weiter kommen als mit Zuhören und Nachgeben. Dann haben wir die Chance nicht genutzt, als Mensch auf die Welt gekommen zu sein und verschwenden unser Leben.

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